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360° Feedback

August 20, 2015
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Auch wenn ein professionell organisiertes und durchgeführtes 360° Feedback für Führungskräfte durchaus mit einer Panoramaaufnahme vergleichbar ist - man fragt also das gesamte Umfeld der „betroffenen“ Person, wie bestimmte Verhaltensweisen und Kompetenzen wahrgenommen werden - ist das Ergebnis nicht immer so beruhigend, wie das Titelbild dieses Beitrages.

Seitdem ich die Funktion „Panorama“ auf meinem Smart Phone entdeckt habe, mache ich immer wieder 360° Grad Aufnahmen. Die Ergebnisse faszinieren mich, obgleich die Details nicht sehr gut erkennbar sind. Mich macht das gesamte Bild neugierig, daher „zoome“ ich mich in das Bild und erfreue mich an der Detailbetrachtung.

Ein 360° Feedbackreport hat eine sehr ähnliche Funktion: man bekommt Rückmeldung von seinen Mitarbeitern, von Kollegen, vom Chef und dessen Chef, wie man wahr genommen wird. Und wenn man möchte, kann man noch Kunden, Zulieferer, Freunde und die Familie integrieren, also eine Rundumbetrachtung der eigenen Person organisieren.

Diese Panoramaaufnahme entsteht, indem pro Bereich (Führung, Mitarbeitermotivation, Kommunikation, u.v.m.) Fragen gestellt werden, die Rückschlüsse auf o.g. Bereiche zulassen (sollen).
Die Fragen lauten zum Beispiel:

In welchem Ausmass formuliert Frau/Herr X Ziele, die zu Mehrleistung anregen und die Unternehmensvision integrieren?
In welchem Ausmass schafft es Frau/Herr X Sie zu inspirieren, die „Extra Meile“ zu gehen?

Der Befragte kann zwischen 5 Antwortmöglichkeiten wählen - von „in sehr geringem Ausmass (1)“ bis „in sehr grossem Ausmass (5)“.

Ein Report macht die unterschiedlichen Bewertungen der jeweils befragten Personengruppen transparent. So kann es sein, dass die eigenen Mitarbeiter beispielsweise bei der Frage nach den Zielen antworten, die gesetzten Ziele seien äusserst ambitioniert (5), während sie dem Chef nicht ambitioniert genug (2) sind. Die Eigeneinschätzung und die der Kollegen halten die Zielvorgaben für ambitioniert (4). Was kann der Empfänger dieser Botschaft mit ihr anfangen?
Dem Coach, der mit dem Empfänger seinen persönlichen Report durcharbeitet, kommt hierbei eine besondere Aufgabe zu: Er muss den „Finger in die Wunde legen“, indem er auf Diskrepanzen bei den Antworten und Bewertungen hinweist und Fragen stellt wie:

Was meinen Sie, wollte Ihnen Ihr Chef mit dieser Aussage mitteilen?
Wie erklären Sie sich die Antworten Ihrer Mitarbeiter?
Was macht das Feedback Ihrer Kollegen mit Ihnen?

Was geht jetzt in Ihnen vor?

Der Coach wird hierbei auch Berater – eine für mich immer stärker beobachtbare Anforderung im Business Coaching – indem er den Klienten auffordert, im Dialog mit den Feedbackgebern wertvolle Hinweise darauf zu erhalten, was verbessert werden kann.

Klar wird hier Verhalten nicht nur beobachtet, sondern auch bewertet. Je nachdem wie die Konfliktkultur eines Unternehmens entwickelt ist, besteht allerdings eine latente Gefahr, dass anonymisiert Botschaften gesendet werden, die im Zweifelsfall nur den Nutzen haben das Klima im Unternehmen zu vergiften.

Daher empfehle ich bei jedem 360° Feedback Prozess auf jeden Fall zusätzliche Fragen zu stellen, deren Antworten das Ergebnis persönlicher Beobachtung sind:

Wie häufig spricht Ihre Führungskraft mit ihnen über die Unternehmensziele?
Wie klar ist Ihnen die Unternehmensstrategie?
Wie oft bekommen Sie Feedback von Ihrer Führungskraft?

Den grössten Nutzen ziehen die Empfänger allerdings aus ausformulierten schriftlichen Kommentaren auf offene Fragen wie:

Was sind die  Fähigkeiten und Merkmale, die ich an Frau/Herrn X besonders schätze?
Auf welchen Gebieten kann Frau/Herr X seine/ihre Stärken einsetzen und sich weiter entwickeln? Wie würde das Ergebnis aussehen?

Der vollständige Feedbackreport ist mit einem Panoramabild durchaus vergleichbar. Um aber die Gesamtheit der Rückmeldungen zu begreifen, zoomt der Coach und Berater mit dem Empfänger ins Detail. Der wirkliche Mehrwert beginnt mit der Umsetzung der Feedbacks in beobachtbares verändertes Führungsverhalten, welches idealerweise nach 18 – 24 Monaten wieder abgefragt wird.

Wenn der Empfänger nicht daran interessiert ist, das „gezoomte“ Bild genauer zu betrachten, haben Unternehmen auch etwas über ihre Führungskräfte erfahren...

 

 

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