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Zwangspause

Juni 22, 2018
2 Kommentare

Wann haben Sie das letzte Mal eine Pause gemacht? Ich spreche nicht von der Urlaubsbedingten Zwangspause, sondern von einer freiwilligen und bewussten Pause, um einmal innezuhalten und sich selbst wieder zu spüren.

Ich kenne viele Menschen, die schlicht nicht „abschalten“ können. Wie viele Manager sehnen sich am Wochenende den Montag herbei? Wie viele Führungskräfte verbringen den von der Familie lang ersehnten Urlaub mit dem Smart-Phone in der Hand? Wie viele der „Urlauber“ sind eigentlich gar nicht am Urlaubsort, sondern sitzen in Gedanken schon wieder in einem unglaublich wichtigen Meeting?

Das ist nicht wirklich außergewöhnlich und auch nicht weiter tragisch, weil sich die Familie eh schon daran gewöhnt hat und das für den Manager und seine Mitarbeiter ganz normal ist. Warum schreibe ich also darüber?

Als jemand, der sich diesbezüglich über Jahrzehnte selbst nicht wirklich ernst genommen hat und Glück hatte, nicht in einem Burnout gelandet zu sein, fühle ich mich verpflichtet, meine Gedanken im Kontext meiner Arbeit als Executive Coach darzulegen.

Die Grundlage und Basis dieses „Nicht Abschalten Könnens“ liegt in unserem tief verankerten Wertesystem aus dem Glaubenssätze genährt werden, die ihren Ursprung wiederum in der Erziehung bzw. Sozialisierung haben. „Ich muss funktionieren, ich muss stark sein, ich brauche keine Pausen, meine Familie soll es mal besser haben, etc.“ sind nur ein paar Beispiele, die speziell meine Generation (der Baby Boomer) geprägt haben.

Ich persönlich vertrete die Meinung, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, was er wann mit sich anstellt. So weit so gut, aber sobald andere Menschen mit ins Spiel kommen, hört es sich mit der egoistischen Selbstverantwortung auf. Partner, Kinder und Mitarbeiter sind dann hoffentlich ein ausreichender und wichtiger Grund, sich seiner Verantwortung und vor allem der Folgen des eigenen Verhaltens bewusst zu werden. Menschen die Menschen führen (oder erziehen) wirken immer. Ob als Vorbild oder als abschreckendes Beispiel.

Wenn also in der Urlaubszeit dokumentiert wird, wie unwichtig Pausen sind, vervielfältigen diese „Workaholics“ ein Verhalten, das früher oder später zu einer Volkskrankheit ausartet. Apropos Volkskrankheit. Wissen Sie was Karōshi ist? Der Begriff kommt aus Japan und bedeutet „den durch Überarbeitung herbeigeführten Tod“. Haben Sie eine Vorstellung dessen, was Burnout bedingte Arbeitsausfälle den Steuerzahler jährlich im deutschsprachigen Raum kosten?  Die unglaublich hohe Summe im dreistelligen Milliarden Euro Bereich sollte jeden zum Nachdenken anregen.

Dies ist ein Plädoyer für die Entschleunigung der Prozesse, die uns tagtäglich beeinflussen und die wir durch unser Verhalten mitgestalten. Ist Ihnen bewusst, welchen  immensen Einfluss ein von Ihnen vorgelebtes regelmäßiges Innehalten auf das Wohlbefinden der ganzen Gesellschaft hat? Was mit diesen vielen Milliarden alles geschaffen werden könnte! Anstatt dessen bezahlen wir alle für etwas, das vorsätzlich geschieht und verantwortungslos zugelassen wird. Volkssport Stress!

Was sind Ihre eigenen Glaubenssätze? Wann haben Sie das letzte Mal bewusst eine Pause gemacht? Das gilt übrigens noch viel mehr für berufstätige Frauen und Mütter, sowie für Kinder, die sich im „Freizeitstress“ verloren haben.

Ich lade Sie ein Ihre Sicht zu posten und sich damit gegenseitig zu helfen, Pausen den richtigen Stellenwert in Ihrem Leben zukommen zu lassen. Schönen Urlaub!

 

2 Kommentare

August 14, 2014

Reinhold Weber, Stimm-Coach & Sänger

Zwangspause- ein mächtiges Wort! Eine Musiker-Weisheit besagt: " Pausen gehören zum Rhythmus!" Alles hat seine Zeit: Cresendi, Decresendi UND auch Pausen. Momente der Stille, Ruhe ergänzen, komplettieren den Takt. Fehlende Pausen wirken somit immer unrhythmisch, unausgewogen und unsstimmig. In der Natur verhält es sich ähnlich: Jeder Baum darf seine Blätter verlieren....es gibt immer einen neuen Frühling. Zarte, leise Knospen werden (erst nach einer Pause) sichtbar! Was es uns "kostet"? Schlichtweg etwas Zeit! Was ist ein Achtel-, was ein Viertel-Takt? Geben wir unserer Ungeduld, unserer Schnelllebigkeit und unserem unermüdlichen Ehrgeiz einfach eine fingerschnipsende "Zwangspause"....

 
August 14, 2014

Antony Kurz

Kann dem Gesagten nur zustimmen und als weiterführende Lektüre folgendes Buch des Experten für Achtsamkeit, Jon Kabat-Zinn, empfehlen, dem ich in meiner Sommerpause meine Aufmerksamkeit schenke: "Zur Besinnung kommen - Die Weisheit der Sinne und der Sinn der Achtsamkeit in einer aus den Fugen geratenen Welt" Wann übernehmen die Unternehmen und damit ihre Führungskräfte endlich die Mitverantwortung für das Wohlergehen und die Gesundheit ihrer Mitarbeiter? Die Ersten haben bereits begonnen dem Wahn der permanenten Verfügbarkeit Einhalt zu gebieten. Daimler und VW schalten ihre Mailserver Abends ab oder erlauben ihren Mitarbeitern die automatische Löschung ihrer Mails während der Urlaubszeit, damit die überquellende Mailbox nach Ende des Urlaubs nicht gleich wieder zum Stressor wird. Wann führen Sie in Ihrem Unternehmen einen mail-freien oder meeting-freien Tag ein? Wie stellen Sie sicher, selbst kein schlechtes Gewissen zu haben, nur weil Sie Ihre Mails seit einer Stunde nicht mehr gecheckt haben? Und noch viel wichtiger - Wie unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter dabei und reduzieren so ihre Stressbelastung bei gleichzeitiger Erhöhung ihrer Produktivität? Achten Sie darauf, dass Ihre Mitarbeiter regelmässig Pausen machen, damit sie ihre chronischen Erschöpfungszustände nicht bis zum nächsten Wochenende oder Urlaub kaschieren müssen. Sie werden es Ihnen mit langfristiger Leistungsfähigkeit danken. Übrigens, die beste Lösung ist - VORLEBEN!

 

 

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